07.06.2018 - 16:35 HSH Nordbank

Zinsen weekly: Neue Regierung aus 5-Sterne-Bewegung und Lega in Italien. EZB bringt Diskussion um QE-Ausstieg ins Spiel

In Italien ist jetzt doch eine Regierungskoalition aus 5-Sterne-Bewegung und Lega unter Ministerpräsident Giuseppe Conte zustande gekommen. Doch die Marktteilnehmer stehen der neuen Regierung angesichts ihrer expansiven Haushaltspolitik kritisch gegenüber. Zwar hatte sich die Lage nach einer Panikreaktion in der vergangenen Woche beruhigt, doch zuletzt sind italienische Staatsanleihen wieder unter Druck geraten. Die Rendite zweijähriger Titel ist über 1 % gestiegen, die der zehnjährigen auf rund 2,90 %. In seiner Regierungserklärung schlug Giuseppe Conte nicht mehr ganz so harte Töne an – anscheinend versucht man nun, Regierungsvorhaben umzusetzen, die für die Finanzmärkte nicht ganz so kritisch sind, um nicht erneut einen sprunghaften Anstieg der Renditen zu initiieren. Nichtsdestotrotz bleiben Steuererleichterungen und Ausgabenerhöhungen auf der Agenda, was das Land zu einem Risikofaktor der Eurozone macht.

Während sich die Lage in Italien zumindest kurzzeitig stabilisiert hat, nimmt das Risiko eines Handelskrieges wieder zu. So sind Anfang Juni sowohl die US-Importzölle auf Aluminium und Stahl für die EU sowie für Kanada und Mexiko in Kraft getreten. Hier drohen Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder; die EU hat z.B. angekündigt, ab dem 1. Juli Importzölle auf Jeans, Whiskey und Motorräder aus den USA zu erheben. Das Volumen soll zunächst 2,8 Mrd. Euro jährlich betragen, in einem zweiten Schritt kommen 3,6 Mrd. Euro hinzu. Gleichzeitig denkt die USA über Zölle auf Autos nach und China würde mehr Waren von den USA kaufen, wenn diese im Gegenzug von Importzöllen in Höhe von 50 Mrd. US-Dollar absehen (Entscheidung dazu am 15.6.). Damit sieht alles nach einer Verschärfung der Handelsstreitigkeiten aus.

Von der EZB kommen Töne, die auf eine Diskussion des QE-Ausstiegs auf der EZB-Zinssitzung in der kommenden Woche (14.6.) hindeuten. Das hat die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen und Treasuries moderat nach oben klettern lassen, nachdem diese zuvor durch die Krise in Italien unter Abwärtsdruck geraten waren. Für die EZB-Sitzung rechnen wir mit einer Ankündigung, dass die Anleihekäufe zum Jahresende beendet werden. Im Schlussquartal 2018 könnten diese noch einmal mit auf 10 Mrd. oder 15 Mrd. Euro reduziertem Volumen weiterlaufen. Auch die Fed tagt in der nächsten Woche (13.6.). Die US-Notenbank dürfte unseres Erachtens nach März die Zielspanne für die Fed Funds Rate das zweite Mal in diesem Jahr um 25 bp auf dann 1,75 bis 2,00 % anheben.

Der G7-Gipfel der Regierungschefs, der am Freitag in Kanada beginnt, dürfte holprig verlaufen. Streitthemen zwischen den USA und anderen Ländern sind der Klimaschutz, die Handelspolitik sowie der Umgang mit dem Iran. Hier liegen die Positionen weit auseinander, so dass nicht von der Einigung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung auszugehen ist.


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