10.01.2018 - 09:00 HSBC

EUR/USD - Pullback oder Trendwende – 2018 als Gratwanderung

Pullback oder Trendwende – 2018 als Gratwanderung
Rückblende: Nachdem der Euro im Vergleich zum US-Dollar zu Beginn des Jahres 2017 das Mehrjahrestief vom März 2015 (1,0456 USD) nachhaltig unterschritt und damit die seit knapp zwei Jahren bestehende seitliche Schiebezone „bearish“ auflöste, lag der Ball gewissermaßen auf dem Elfmeterpunkt. Mehr noch: Der Torhüter hatte sich auch schon für eine Ecke entschieden… Zum Leidwesen vieler Währungsstrategen und auch einiger Technischer Analysten, die sich für das vergangene Jahr zugunsten des Greenback positioniert hatten, kam es anders. Das Tief vom 3. Januar bei 1,0340 USD sollte bereits das Jahrestief für das Währungspaar markieren. Der Euro startete danach eine dynamische Erholungsrally. Diese Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, dass die Aussagen aus dem Jahresausblick nur eine grobe Richtschnur vorgeben können, die im Jahresverlauf immer wieder einer kritischen Prüfung bedürfen. Wir haben das beispielsweise im Frühjahr nach einer komplettierten inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation getan. Deshalb enthält unser Jahresfahrplan immer auch strategische Stopp-Marken, deren Erreichen mitunter ein Umdenken erfordert. Vielleicht liefert das Herausarbeiten dieser neuralgischen Punkte im Chartverlauf für Anleger sogar den größeren Mehrwert.
 
 
  EUR/USD (Annually)  
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Identische Jahrestiefs …
Letztlich zählt die Entwicklung des Euro zur US-Valuta zu den großen Überraschungen des vergangenen Jahres. Leider erinnert uns dieses „auf dem falschen Fuß“-Erwischen an ein bekanntes Zitat von Mark Twain. „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen!“ Die Vorhersage 2018 dürfte allerdings keinesfalls leichter werden, da die charttechnische Ausgangslage durchaus ambivalent ist. Aber das ist ja auch eine erste Aussage! Damit befindet sich der Technische Analyst übrigens in bester Gesellschaft, denn auch die fundamentalen Währungsprognosen zeichnen ein uneinheitliches Bild. Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen: Wir werden dieser Herausforderung begegnen, indem wir zwei unterschiedliche Szenarien aufzeigen. Eine hohe Zeitebene – idealerweise der Jahreschart – stellt bei den einzelnen Assetklassen unseren fast schon traditionellen Startpunkt der Analysen dar. Diese sinnvolle Vorgehensweise fördert beim Währungspaar EUR/USD besonders viele interessante Details zu Tage. Beim Blick auf den Jahreschart des Euro zum US-Dollar fallen zunächst einmal die nahezu deckungsgleichen Tiefs der letzten beiden Jahre (1,0340 USD vs. 1,0351 USD) ins Auge (siehe Chart 2). Wenn Anleger das Jahr 2015 hinzunehmen, ergibt sich mit 1,0456 USD ein weiteres Tief in diesem Dunstkreis.
 
 
  EUR/USD (Annually)  
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… und ein „outside year“
Die nahezu deckungsgleichen Jahrestiefs sorgen dafür, dass sich bei rund 1,04 USD eine massive langfristige Unterstützung etabliert hat. Dazu gesellen sich auf Jahresbasis aber noch eine ganze Reihe weiterer charttechnischer Phänomene. So umschließt der Körper der 2017er-Kerze das Pendant des Vorjahres vollständig, so dass ein sog. „bullish engulfing“ entsteht. Wie der Name dieses Candlestickmusters bereits vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein konstruktives Chartpattern. Die letzten drei Jahreskerzen erinnern darüber hinaus an einen nicht ganz idealtypischen „morning star“ – das nächste konstruktive Candlestickmuster. Am interessantesten ist aber sicher das Phänomen, dass das Jahreshoch 2017 (1,2094 USD) oberhalb des 2016er-Hochs ausgebildet wurde, während das entsprechende Jahrestief (1,0340 USD) marginal unter dem der Vorperiode ausgeprägt wurde. In der Konsequenz ergibt sich für das abgelaufene Jahr ein sog. „Außenstab“. Die Begrenzungen eines solchen „outside years“ dienen zukünftig als wichtige Leitplanken. Mit anderen Worten: Die o. g. Kernunterstützung aus den letzten drei Jahrestiefs erfährt eine weitere Bestätigung. Gleichzeitig scheint das Niveau um die Marke von gut 1,20 USD eine besondere Rolle zu spielen.
 
 
  EUR/USD (Annually)  
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„Prognosekraft“ eines „outside years“
Wenngleich wir auf die Relevanz der Marke von „1,20 USD“ noch an mehreren Stellen eingehen werden: Seit dem Jahr 2004 hat sich der Euro im Vergleich zum Greenback in schöner Regelmäßigkeit mit diesem Niveau auseinandergesetzt. Oftmals wirkte die runde Kursmarke dabei als Unterstützung bzw. Widerstand. Im Folgenden möchten wir gerne den bereits angesprochenen Aspekt des „outside years“ vertiefen. Dazu haben wir das Währungspaar zurück bis zum Ende des Systems fester Wechselkurse (Bretton Woods) im Jahr 1973 untersucht. Vor der Einführung des Euro haben wir als Datengrundlage das DM/USD-Austauschverhältnis herangezogen. Jahre, in denen das Hoch und das Tief außerhalb der Begrenzungen des Vorjahres liegen, kommen äußerst selten vor. Lediglich fünf solche „Außenstäbe“ lassen sich im Betrachtungszeitraum seit 1973 vor dem zu Ende gegangenen Jahr identifizieren – konkret 1980, 1985, 1991, 1994 und 2008. Spannender als die Häufigkeit des Musters ist allerdings dessen „Prognosekraft“. So zeigt Chart 4, dass die Richtung (Farbe) des „outside years“ in vier von fünf Fällen eine Fortsetzung fand. Mit anderen Worten: War die Außenkerze „weiß“ (rot), dann folgte eine weitere „weiße“ (rote) Jahreskerze.
 
 
  EUR/USD (Annually)  
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Tradingmuster im Halbjahreschart
Da für 2017 im Vergleich zur Jahresauftaktnotierung ein höherer Schlusskurs zu Buche steht, liefert dieser „Indikator“ ein erstes Indiz dafür, auch im neuen Jahr von einer konstruktiven Entwicklung der europäischen Einheitswährung auszugehen. Im Sinne eines vorsichtigen Kaufmanns möchten wir allerdings auch noch einen Blick auf das eine Fehlsignal aus dem Jahr 2008 werfen. Als einzige Ausnahme der Regel der „Farbfortsetzung“ folgte im Jahr 2009 ein „inside year“, das vollständig innerhalb der Leitplanken des „outside years“ von 2008 verblieb. Zudem brachte 2009 nur wenig Veränderungen für das Währungspaar, was sich in dem kleinen Kerzenkörper der damaligen Jahreskerze niederschlägt. Vor diesem Hintergrund scheint dieser eine Prognosefehler verschmerzbar. An dieser Stelle ist ein harter Bruch nötig, denn wir möchten ihren Blick auf ein Tradingmuster lenken, das im kurzfristigen Bereich eine gute Trefferquote aufweist. Dabei suchen wir nach Situationen, in denen eine „inside candle“ vorliegt. Die Auflösung dieses Kursmuster in eine Richtung wird dann aber sofort durch einen Bewegungsimpuls in die entgegengesetzte Richtung negiert. Eine idealtypische Darstellung des beschriebenen Tradingpatterns findet sich in Chart 5.
 
 
  EUR/USD (Semi-annually)  
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Positionsschieflagen als Erklärungsansatz
Der konkrete Chartverlauf auf Halbjahresbasis erfüllt alle Anforderungen des vorgestellten Kursmusters (siehe Chart 6). Die 2. Jahreshälfte 2015 und die 1. Jahreshälfte 2016 bilden beim Euro zum US-Dollar streng genommen sogar einen doppelten Innenstab. Diese „inside candles“ wurden dann aufgrund des Schwächeanfalls in der 2. Jahreshälfte 2016 negativ aufgelöst. Normalerweise würden Anleger an dieser Stelle eine weitere Kursschwäche erwarten. Wie wir heute wissen, kam es anders, so dass der Ausbruch sofort konterkariert wurde. Aus heutiger Sicht muss das Tief bei 1,0340 USD eindeutig als „false break“ eingestuft werden. Die dadurch entstandenen Positionsschieflagen begünstigen eine EUR-Erholung und dienen als wesentlicher Erklärungsansatz für die Wirksamkeit des vorgestellten Tradingmusters. Beim DAX® weist das Pattern auf Tagesbasis zurück bis Anfang der 1980er-Jahre eine Trefferquote von gut 61 % auf, wobei die Longsignale sogar noch etwas besser funktionieren (rund 65 %). Für FX-Investoren ist aber sicher die Wirksamkeit des Musters im Währungspaar EUR/USD von größerer Bedeutung. Im Halbjahreschart trat das „inside candle false break“-Muster insgesamt drei Mal auf (siehe Chart 7). In der Folge kam es jeweils zu dem erwarteten Bewegungsimpuls.
 
 
  EUR/USD (Semi-annually)  
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Tradingpattern im historischen Vergleich
Im Jahr 1998 wurde die vorangegangene „inside candle“ erst nach oben aufgelöst, ehe es zum Gegenangriff der EUR-Bären kam. Auf dem Abschluss des Musters folgte ein weiterer Kursrückgang der europäischen Einheitswährung von 1,05 USD auf 0,82 USD. In den Jahren 2002 und 2006 bildete sich indes die positive Variante des Pattern aus. Im ersten Fall folgte ein EUR-Anstieg von rund 0,96 USD auf gut 1,36 USD, während das zweite Beispiel nach einer Verschnaufpause als Reaktion auf den zuvor beschriebenen Kursanstieg im Jahr 2006 auftrat. Seinerzeit setzte sich die EUR-Rally in der Spitze bis auf gut 1,60 USD fort (siehe erneut Chart 5). Besonders in der hohen Zeitebene scheint das vorgestellte Kursmuster eine enorme Tragweite zu besitzen. Vor diesem Hintergrund können Anleger die vorliegende Kerzenkombination als weiteres Pro-Argument für die Einheitswährung verbuchen. Für zusätzlichen Rückenwind sorgt an dieser Stelle die Candlestickanalyse. Dank der beiden nahezu deckungsgleichen Tiefs bei rund 1,0350 USD liegt ein sog. „tweezer bottom“ vor, welches durch das anschließende „bullish engulfing“ untermauert wird. Das vorgestellte Tradingpattern und die ausgeprägten positiven Kerzenmuster gehen also Hand in Hand (Fortsetzung morgen).
 
 
  EUR/USD (Semi-annually)  
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