14.07.2017 - 11:30 HSH Nordbank

Devisen weekly: Halbjährliche Anhörung von Yellen ohne klares Signal für den Dollar. Yen nach Renditeintervention der BOJ unter Druck

EUR/USD notiert aktuell bei 1,1447 (+0,9 % ggü. der Vorwoche) und erreichte zeitweise mit 1,1489 das höchste Niveau seit Mai 2016. Der Grund für die Euro-Aufwertung lag vor allem in den Äußerungen einiger EZB-Mitglieder, die die Spekulationen über ein Ende der Niedrigzinspolitik weiter anheizten. Auch die wieder gefundene Einheit der Euroländer auf dem G20-Treffen stärkte die Gemeinschaftswährung. Die demgegenüber schwache Performance des US-Dollar hat ihren Grund vor allem in neuen Informationen über die Russlandbeziehungen des Wahlkampfteams von US-Präsident Trump, die die wirtschaftspolitische Agenda in Washington zunächst in den Hintergrund rücken lässt. Der Auftritt von Fed-Präsidentin Janet Yellen vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses hinterließ keine eindeutigen Spuren am Devisenmarkt. Zumindest passte der verhaltende Inflationsausblick nicht zu der leichten Abwärtsbewegung des EUR/USD-Wechselkurses. In der nächsten Berichtswoche könnten Konjunkturdaten aus den USA (u.a. Inflation und Daten vom Bausektor) das Währungspaar wieder verstärkt in Bewegung bringen. Vor allem aber wird man auf die EZB-Pressekonferenz am Donnerstag (20.07.) schauen müssen. Hinweise auf baldiges Tapering würden den Euro stärken.

EUR/GBP konnte in dieser Berichtswoche auf 0,88 zulegen (+0,9 %). Der Währungskurs wurde vor allem durch die Aussage von BoE-Mitglied Ben Broadbent beeinflusst (11.07.). Er hat sich nicht dem Chor seiner Kollegen angeschlossen, die für eine Straffung der Geldpolitik sind. Das Pfund wertete daraufhin ab. Bei der letzen Zinssitzung hatten noch fünf zu drei gegen eine Normalisierung der Geldpolitik gestimmt. Auch konjunkturell litt das Pfund: Der Reallohn sank im dritten Monat in Folge, da die Inflation mit 2,9 % weiterhin über dem Lohnzuwachs (1,8-2,0 %) liegt. Damit könnten deflationäre Kräfte auftreten, die die inflationären abwertungsbedingten Tendenzen überwiegen. In diesem Zusammenhang sollte der Fokus auf die Bekanntgabe der britischen Inflationszahlen (18.07.) liegen, zumal auch die hawkische Haltung von BoE-Mitgliedern darin begründet ist. Außerdem könnte die zweite Verhandlungsrunde des Brexits (17.07.) für neue Unsicherheiten sorgen (siehe Brexit-Fokus).

USD/JPY handelt gegenwärtig bei 113,18 und bleibt damit zur vorherigen Berichtswoche per Saldo unverändert. Zur Wochenmitte schwächelte der Yen gegenüber dem US-Dollar. Grund dafür ist vor allem, dass die Bank of Japan vor dem Hintergrund des globalen Renditeanstiegs Maßnahmen ergriffen hat, um den Renditenanstieg daheim zu stoppen. Konkret bot sie an, unbegrenzt zehnjährige Staatsanleihen zu einem Zinssatz von 0,11 % anzukaufen. Der Yen wertete dennoch nur zeitweise ab. Im Vorfeld der halbjährlichen Anhörung von Fed-Chefin Yellen und auch danach wertete der Yen wieder gegenüber dem US-Dollar auf. Yellen hatte einen nur verhaltenen Inflationsausblick gegeben, so dass mehr als eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr wohl nicht zu erwarten ist. Dennoch: der Yen könnte im Vorfeld der Zinssitzung der Bank of Japan (20.07) erneut unter Abwertungsdruck geraten, da die Bank of Japan möglicherweise betonen wird, dass sie ihre ultralockere Geldpolitik nicht in absehbarer Zeit beenden wird.


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