05.04.2018 - 17:15 HSH Nordbank

Devisen weekly: EUR/USD verlässt 1,23-Marke. Überzeugende US-Daten stärken USD. Trendwende bei USD/JPY durch Handelskonflikt?

EUR/USD: Das Wechselkurspaar EUR/USD beendet die Berichtswoche mit deutlichen Verlusten (-0,4 %) und notiert gegenwärtig bei 1,2260. Überzeugende US-Wirtschaftsdaten geben dem Greenback Auftrieb, während die europäische Konjunktur keine neue Dynamik entfalten konnte. Exemplarisch sind hierfür die Auftragseingänge der deutschen Industrie, welche nach einem Wachstum von 8,2 % im Januar auf 3,5 % YoY im Februar zurückgingen. Gemischte Signale sendeten unter der Woche die Inflationszahlen aus der Eurozone (04.04.). Während die Preissteigerung der Gesamtinflation im März spürbar anstieg (1,4 % YoY), ist bei der Kerninflation ein Rückgang der Preisdynamik zu verzeichnen (1,0 % YoY). Die etwas weniger dynamische Konjunktur und einer uneinheitlichen Preisentwicklung schränkt den Spielraum für einen starken Euro-Außenwert momentan ein. Zudem bleiben die US-Wirtschaftsdaten auf einem hohen Niveau. Die am Dienstag (03.04.) veröffentlichten ADP-Arbeitsmarktdaten (Stellenzuwachs 241 Tsd.) geben trotz sich zuspitzender Handelsstreitigkeiten weiterhin eine hohe Beschäftigungsdynamik der Trump-Economy wieder. Wenn den starken ADP-Daten am morgigen Freitag (06.04.) ebenfalls ein hoher Stellenzuwachs außerhalb des Agrarsektors folgt, wird dies dem US-Dollar zusätzlich Auftrieb geben. Zudem könnte in der nächsten Woche die US-Verbraucherpreisinflation (11.04.) die Fed in ihrem Zinserhöhungskurs bekräftigen und so stärkere Dollar-Kurse ermöglichen.

USD/JPY: Der Wechselkurs USD/JPY liegt aktuell bei 107,08 (+0,4 %). Seit Beginn der Handelsstreitigkeiten im Februar wertete der Yen gegenüber dem US-Dollar kontinuierlich auf und USD/JPY schloss sogar zwischenzeitig unter der Marke von 105. Zwei wichtige Gründe sprachen zunächst für eine vorsichtigere Gangart der USA bei der Handelspolitik im Falle Japans: Japanische Unternehmen und Haushalte stellen die zweitgrößten Auslandsinvestitionen in den USA. Auch ist Japan der wichtigste Verbündete der USA in Ostasien und Partner im Nordkorea-Konflikt. Die Stärkung des Yen gegenüber dem US-Dollar wirft im Zeichen der globalen Handelsdiskussion grundsätzlich Fragen auf. Japan weist seit Jahrzehnten hohe Exportüberschüsse mit den USA auf (68 Mrd. US-Dollar in 2017) und geriet deshalb ins Visier der US-Handelspolitik. Von den bisher erhobenen Zöllen auf Aluminium- und Stahlerzeugnisse ist Japan ebenfalls betroffen. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf das Wechselkurspaar USD/JPY. Der Status des Yen als „Safe Haven“ und Profiteur von „Risk-Off“-Bewegungen an den Märkten wird weiter bröckeln, wenn die US-Handelspolitik weitere Handelsrestriktionen formuliert. Insgesamt wird die Handelsbeziehung zwischen beiden Ländern ein immer bedeutenderer Faktor im Wechselkurs und hat zwischenzeitig die Geopolitik abgelöst. Auch im Hintergrund des US-Zinszyklus sprechen deshalb viele Faktoren für einen stärkeren US-Dollar und einen schwächeren Yen. In der nächsten Woche sollten Marktteilnehmer neben den US-Daten auch der Handelsbilanz Chinas Aufmerksamkeit schenken. Die Volksrepublik veröffentlicht am 13.04. ihre ersten Indikatoren seit Zuspitzung der Handelsstreitigkeiten.

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