21.12.2018 - 14:00 HSBC

DAX®, S&P 500®, Euro, Dollar, Öl und Gold – die Börsen bleiben stürmisch


 
Jewgeni Ponomarev, Zertifikate-Experte, HSBC Jewgeni Ponomarev,
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Zahlreiche Aktienmärkte steuern auf ein verlustreiches Börsenjahr 2018 zu. Die Talfahrt hat sich zuletzt sogar beschleunigt. Dagegen konnte sich der Goldpreis in diesem Jahr stabilisieren - wie sind die Perspektiven für die verschiedenen Anlageklassen im neuen Jahr?

In diesem Jahr ist alles anders. Nicht nur die saisonal gute Börsenzeit ab November hat es bei den großen Aktienindizes nicht gegeben, ihr Abwärtstrend hat sich zuletzt sogar wieder beschleunigt: Der S&P 500® sackte auf ein 14-Monats-Tief und der heimische DAX® auf ein Zwei-Jahres-Tief. Für kräftigen Verkaufsdruck hat zuletzt die Sitzung der US-Notenbank Fed gesorgt. Sie hat die Leitzinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 2,25 bis 2,5 Prozent angehoben, womit allerdings viele Investoren gerechnet haben.

 
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Unerwartet war dagegen die Ankündigung von Fed-Chef Jay Powell, dass er im kommenden Jahr die Leitzinsen zwei Mal anheben wolle, weil die US-Wirtschaft robust sei und daher weitere graduelle Zinserhöhungen notwendig seien. Hiervon waren viele Investoren sehr überrascht, waren sie doch wegen der Sorge vor einer möglicherweise heraufziehenden US-Rezession und dem Kurseinbruch des S&P 500® davon ausgegangen, dass es im nächsten Jahr maximal eine Erhöhung geben würde. Das haben zumindest die Fed Fund Futures Rates signalisiert.


US-Anleihenmarkt schürt Sorge vor Rezession

Wie groß die Ängste der Investoren inzwischen sind, spiegelt auch der Anleihenmarkt wider, der zuletzt bei den zehnjährigen Staatsanleihen auf unter 2,8 Prozent abgerutscht ist. Damit liegen sie in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Ende Januar, obwohl die Fed in dem Zeitraum die Leitzinsen vier Mal um insgesamt 100 Basispunkte (1 Prozent) angehoben hat.

 
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Gleichzeitig ist der Zinsaufschlag für zehnjährige Anleihen gegenüber zweijährigen auf rund 10 Basispunkte eingebrochen – das ist der niedrigste Wert seit August 2007. Damit schätzt der Anleihenmarkt die mittel- und langfristigen Perspektiven der US-Wirtschaft so schlecht ein, wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr. Viele Investoren befürchten daher, dass die Zinsstrukturkurve schon bald invers werden könnte. Das bedeutet, dass die Renditen für zehnjährige US-Anleihen niedriger notieren als jene für zweijährige. Das wäre ein mögliches Signal für eine Rezession, war doch vor den vergangenen neun Rezessionen in den USA die Zinskurve jeweils invers.

Das ist nicht nur für den S&P 500®, sondern noch viel mehr für den DAX® mit seinen zahlreichen Zyklikern, also Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren, ein starkes Warnsignal. Zu den zyklischen Firmen gehören vor allem die Automobilhersteller Daimler, BMW und Volkswagen, der Zulieferer Continental sowie der Halbleiterhersteller Infineon oder der Chemieriese BASF.

 
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Tech-Titel im Bärenmarkt angekommen

Eine Rezession in den USA würde die Weltwirtschaft zusätzlich belasten, dabei hat sie bereits eine Menge Gegenwind: vom Handelsstreit zwischen den USA und China, über den Brexit und den Sorgen über eine steigende Staatsverschuldung in Frankreich, bis zur Währungskrise in den Emerging Markets. Diese Entwicklung hat nun auch die bisher so robusten großen US-Technologie-Aktien wie etwa Apple, Amazon oder Google erfasst. Sie befinden sich alle inzwischen in einem Bärenmarkt, haben also vom letzten Höchstkurs mehr als 20 Prozent verloren. Am stärksten hat es allerdings Facebook erwischt, das fast 40 Prozent vom vergangenen Top abgegeben hat.

Umso wichtiger ist es, dass sich die USA und China bis zum 1. März auf eine Lösung des Handelsstreits einigen. Sollte sie ausbleiben, würde das die Weltwirtschaft und damit den DAX® und den S&P 500® weiter belasten.

 
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Dollar-Perspektive 2019

Weil Investoren davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft den Handelsstreit besser überstehen würde als viele exportabhängige Volkswirtschaften wie China, Deutschland oder Südkorea, haben die Anleger in den vergangenen Monaten in den Dollarraum investiert, weshalb der Greenback gestiegen ist. Inzwischen ist aber die Konjunkturschwäche aus dem Rest der Welt in der US-Wirtschaft angekommen. So ist einer der Frühindikatoren, nämlich der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie, auf ein 13-Monats-Tief gesunken. Das belastet den Dollar, weshalb sich der Euro zuletzt etwas gegenüber dem Greenback erholt hat. Sollten die amerikanischen Wirtschaftsdaten tatsächlich schwächer ausfallen, worauf der Einkaufsmanagerindex hindeutet, könnte sich der Euro gegenüber dem Dollar weiter stabilisieren. Nutznießer könnte auch der japanische Yen sein. In diesem Jahr haben Euro und Yen insgesamt leicht gegenüber dem Dollar verloren.

 
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Wie geht es bei Öl und Gold weiter?

Wegen der zunehmenden Konjunktursorgen ist auch der Ölpreis eingebrochen - zuletzt auf ein 14-Monats-Tief. Um diesem Trend entgegenzusteuern, haben sich die OPEC unter ihrem Anführer Saudi-Arabien und die „Nicht“-OPEC-Länder, vor allem Russland, darauf geeinigt, die Förderung ab Januar 2019 um insgesamt 1,2 Mio. Barrel pro Tag zu drosseln, davon entfallen zwei Drittel auf die OPEC. Die Vereinbarung gilt bis zum Sommer. Laut den Prognosen der OPEC würde das dazu führen, dass im ersten Halbjahr das Angebot und die Nachfrage am Weltmarkt ausgeglichen wären.

Allerdings soll die von einem Rekord auf den nächsten steigende US-Ölförderung dafür sorgen, dass es ab dem dritten Quartal ein deutliches Überangebot auf dem Weltmarkt gibt. Diese Aussicht könnte erst einmal für weiteren Verkaufsdruck auf den Ölpreis sorgen. Der saudische Energieminister Khalid Al-Falih hat daher zuletzt angekündigt, dass sich die OPEC mit den Partnern im April treffen werde, um eine Verlängerung der Förderkürzung zu besprechen.

 
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Im Gegensatz zum Ölpreis ist der von Gold auf ein Fünf-Monats-Hochs geklettert. Rückenwind erhält er vom Einbruch am US-Aktienmarkt, woraufhin Investoren den sicheren Anlagehafen Gold angesteuert haben. Ein künftig schwächerer US-Dollar hilft oft den Gold-Notierungen, da sie sich häufig konträr zueinander entwickeln. Gleichzeitig stützen die sinkenden US-Anleihenrenditen den Goldpreis, da Gold keine Erträge abwirft und der Zinsnachteil gegenüber anderen Kapitalanlagen geringer wird.
 
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Quelle: HSBC


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