14.07.2017 - 08:30 HSH Nordbank

Aktien weekly: DAX tritt vor Berichtssaison auf der Stelle

Vor Beginn den ersten Berichtsveröffentlichungen für das zweite Quartal hält die vor drei Wochen eingeschlagene Seitwärtsbewegung des DAX an. Auch die Aktienmärkte jenseits des Atlantiks wollen nicht so recht auf diesem Muster ausbrechen. Der DAX notiert gegenwärtig bei 12.673 Punkten und der amerikanische Aktienindex S&P 500 bei 2.443 Punkten. Dies geht einher mit historischen Tiefs bei der Messung der Volatilität. Mit etwas über 10 Punkten ist der VIX (Volatilitätsindex des S&P 500) weiter auf einem sehr niedrigen Niveau, was deutlich macht, dass die Märkte das Risiko aktuell eher gering einschätzen. Gleichzeitig wird diese zusätzlich durch positive Konjunkturmeldungen untermauert. So überraschte der US-Arbeitsmarktbericht für Juni die Marktteilnehmer auf der Oberseite.

In dieser Woche beginnt in den USA die Berichtssaison, welche Zeugnis über den Zustand der US-Wirtschaft abliefern wird. Am Freitag werden in den USA viele Finanzinstitute berichten und es geht in den nächsten Wochen in hohem Tempo weiter. An den Märkten wird mit einer Fortsetzung der seit einem Jahr andauernden soliden Unternehmensergebnisse gerechnet. Größere Enttäuschungen sind aber nicht ausgeschlossen: vor allem Unternehmen aus dem Grundstoffsektor dürfte der im Vergleich zum Jahresstart um rund 20 % niedrigere Ölpreis weniger in die Karten spielen als zum Beispiel der Automobilindustrie. Zwar profitiert der Grundstoffsektor einerseits von geringeren Preisen für den Inputfaktor Öl, allerdings zeigte sich in der Vergangenheit, dass sich dies nicht in höheren Margen niederschlägt, sondern der intensive Wettbewerb die vollständige Weitergabe der Preisnachlässe erzwingt.

Unabhängig von der Volatilität der Gewinne bzw. Gewinnmargen ist der DAX-Buchwert in dem nun seit acht Jahre andauernden DAX-Bullenmarkt um 80% von 4.100 im März 2009 auf das neue Allzeithoch von 7.300 im Juli 2017 gestiegen. Der Buchwert beschreibt das gesamte Vermögen eines Unternehmens und bringt somit die Substanz des Unternehmens zum Ausdruck. Je länger ein Bullenmarkt dauert, desto höher die Preis-zu-Buch-Relation (P/BV). Für den DAX ist das P/BV-Verhältnis in diesem Bullenmarkt von 1,01x auf 1,7x gestiegen. Daher stellt sich die Frage, ob die nun seit drei Wochen beobachtete Seitwärtsbewegung nicht der Beginn einer breiter angelegten Konsolidierungsphase ist. Denn gemessen an dem Preis-Buchverhältnis und dem fünfjährigen gleitenden Durchschnitt ist der Dax gegenwärtig noch immer um rund 5 % überbewertet.

Für die nun anstehenden Sommermonate könnten durchaus ein paar Bärentrends eine DAX-Konsolidierung auslösen: Sollten sich die Anzeichen auf eine „globale“ Zinserhöhung in den kommenden Wochen verstärken, dürfte sich dies tendenziell negativ auf die Aktienmärkte auswirken. In der Tat, in den vergangenen Wochen schlugen mehrere Notenbank-Vertreter hawkischere Töne an. Auch Fed-Chefin Janet Yellen hat am gestrigen Mittwoch vor dem US-Kongress Stellung zu ihrer weiteren geldpolitischen Ausrichtung bezogen. Ihre Aussagen wurden von den Aktienmärkten jedoch eher freundlich aufgenommen, da sie sich sehr verhalten zum Inflationsausblick geäußert hatte, was mehr als eine Leitzinserhöhung bis zum Jahresende unwahrscheinlich macht. Heute (13.07.) spricht Yellen vor dem Finanzausschuss des Senats. Weiter ist auf  die am Montag in die zweite Runde gehenden Verhandlungen bezüglich des EU-Austritts Großbritanniens. Sollten die Verhandlungen zu einer Hängepartie werden, dürfte dies auf den Aktienmärkten, insbesondere in Europa, lasten.


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